Höhenkrankheit in Quito & Cotopaxi vermeiden – so beugen Sie vor

Humboldt Adventure · Zuletzt aktualisiert am 17.10.2026 · Lesedauer ca. 9 Minuten

Ab welcher Höhe droht in Ecuador die Höhenkrankheit?

Gefährdet sind Sie ab einer Schlafhöhe von etwa 2.500 Metern, und Quito liegt auf 2.850 Metern. Wer nach der Landung in Quito übernachtet, schläft also schon in der ersten Nacht darüber. Entscheidend ist, wie hoch Sie schlafen und wie schnell diese Schlafhöhe steigt, nicht, wie hoch Sie tagsüber kommen. In Ecuador heißt sie „Soroche“; das Auswärtige Amt nennt sie „gelegentlich auch lebensgefährlich“ (Stand 17. Oktober 2026).

Wie häufig ist sie, und welche Formen gibt es?

Laut Yellow Book 2026 der US-Gesundheitsbehörde CDC erkrankt in Colorado etwa jeder vierte Besucher, der über 2.450 m schläft; wer per Flugzeug direkt auf über 3.400 m gelangt, fast jeder zweite.
Akute Bergkrankheit (AMS): die häufige Form, mit Kopfschmerz als Leitsymptom. Ohne weiteren Aufstieg klingt sie meist in 12 bis 48 Stunden ab.
Höhenhirnödem (HACE) und Höhenlungenödem (HAPE): seltener, unbehandelt aber oft tödlich (CRM Centrum für Reisemedizin, 2025).

Wie hoch schlafen Sie auf einer typischen Ecuador-Route?

So verlaufen die ersten fünf Tage der Ecuador & Galápagos 17 Tage Gruppenreise; die ersten vier Tage der Ecuador Erlebnisreise mit Galápagos sind gleich. Für die Höhenkrankheit zählt die mittlere Spalte.

TagSchlafhöheHöchster Punkt am Tag
1 · Flughafen Quito (rund 2.400 m), Fahrt nach OtavaloOtavalo, rund 2.500 m–
2 · Kratersee CuicochaOtavalo, rund 2.500 metwas über 3.000 m
3 · Markt, Äquator, QuitoQuito, 2.850 m–
4 · Seilbahn, Altstadt, Straße der VulkaneHacienda am Cotopaxi, rund 3.600 mSeilbahn-Bergstation, rund 4.000 m
5 · Cotopaxi-NationalparkRaum Quito, tieferParkplatz rund 4.600 m; Schutzhütte Refugio José F. Ribas 4.864 m (freiwillig); Limpiopungo-See rund 3.800 m

Stand: Reiseverlauf auf der Tourseite, 17. Oktober 2026.

Weitere Höhen auf den üblichen Routen

OrtHöhe
Papallactarund 3.300 m
Quilotoa, Kratersee / höchster Punkt des Kraterrandsrund 3.500 m / 3.914 m
Chimborazo, Carrel- / Whymper-Hütterund 4.850 m / 5.000 m
Cotopaxi / Chimborazo, Gipfel5.897 m / 6.263 m

Gipfel laut Geophysikalischem Institut Ecuadors (IGEPN).

Was bedeuten die Akklimatisierungsregeln für Ihre Reise?

Die Fachleute unterscheiden sich in den Zahlen, nicht im Prinzip: langsam höher schlafen, Pausen einplanen, tagsüber darf es höher hinaufgehen.

RegelQuelleIn Ecuador
Nicht an einem Tag aus unter 1.200 m auf über 2.750 m SchlafhöheCDCDie erste Nacht in Quito liegt knapp darüber, in Otavalo darunter.
Zwei bis drei Nächte auf 2.450 bis 2.750 m schützen „deutlich“CDCZwei Nächte in Otavalo entsprechen dem.
Oberhalb von 3.000 m höchstens 500 m mehr Schlafhöhe pro NachtCDC, TravelHealthProQuito → Papallacta: 450 m. Quito → Cotopaxi: 750 m, also mehr; umso wichtiger sind die Nächte davor.
Ab 2.000 bis 2.500 m höchstens etwa 300 m pro TagAuswärtiges Amt, Merkblatt Höhenkrankheitstrenger; schon Quito → Papallacta liegt darüber
Je 1.000 m Schlafhöhe eine zusätzliche Nacht; über 3.000 m alle drei bis vier Tage ein RuhetagCDC, Auswärtiges Amt, TravelHealthProDer Flug nach Quito bringt fast 3.000 m auf einmal; daher die ruhigen ersten Tage.
„Hoch steigen, tief schlafen“Auswärtiges Amt, CRMSeilbahn, Kraterrand und Schutzhütten als Tagesziel

Die erste Nacht in Quito

Nach den Risikogruppen der Wilderness Medical Society (WMS), die die britische Gesundheitsbehörde auf TravelHealthPro wiedergibt (Stand Juli 2026), hat ein geringes Risiko, wer noch nie höhenkrank war und an einem Tag höchstens auf 2.800 m kommt. Darüber beginnt das mittlere Risiko. Quito liegt 50 m über dieser Grenze, Otavalo darunter.

Fliegen Sie direkt nach Quito, nehmen Sie die ersten zwei Tage ruhig: Die CDC rät, in den ersten 48 Stunden auf Alkohol zu verzichten und sich nur leicht zu bewegen.
Quito auf 2.850 Metern – die ersten Reisetage sollten ruhig angegangen werden

So bauen unsere Reisen die Höhe auf

Die Ecuador & Galápagos 17 Tage Gruppenreise und die Ecuador Erlebnisreise mit Galápagos fahren vom Flughafen direkt nach Otavalo, was sich laut Reiseverlauf „positiv auf die Höhenakklimatisierung“ auswirkt. Die Straße der Vulkane & Galápagos Rundreise bleibt zwei Nächte in Quito, dann je eine in Papallacta und am Cotopaxi; Quilotoa und die Whymper-Hütte am Chimborazo sind Tagesziele. Auf der Ecuador Wanderreise – Anden & Gipfel schlafen Sie zwei Nächte in einer Schutzhütte auf rund 4.000 m am El Altar und haben in der Tambopaxi Lodge (rund 3.800 m) einen Tag zur Akklimatisierung vor dem Gipfelversuch am Cotopaxi, den laut Auswärtigem Amt nur ortskundige Führer begleiten sollten. Auf einer Individualreise planen wir auf Wunsch einen zusätzlichen Ruhetag ein, siehe Gruppenreise oder Individualreise?

Woran erkennen Sie Höhenkrankheit, Hirn- und Lungenödem?

Die Höhenkrankheit kündigt sich mit Kopfschmerz in den ersten Stunden nach einem Aufstieg an. Verwirrtheit, ein unsicherer Gang oder Atemnot in Ruhe sind Zeichen eines Notfalls.

Akute Bergkrankheit

Das Leitsymptom ist Kopfschmerz, laut CDC meist mit Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schwindel oder Müdigkeit. Die Beschwerden beginnen meist 2 bis 12 Stunden nach der Ankunft; das Auswärtige Amt schreibt, oft erst nach 24 Stunden. Anders als bei einem Infekt fehlen Fieber und Schnupfen. TravelHealthPro rät: Beschwerden in der Höhe gelten als Höhenkrankheit, bis das Gegenteil feststeht.

Der Lake-Louise-Score in einfachen Worten

Mit diesem Punktesystem, zuletzt 2018 überarbeitet, erfassen Höhenmediziner die AMS. Vier Beschwerden erhalten je 0 bis 3 Punkte: Kopfschmerz, Übelkeit oder Erbrechen, Müdigkeit, Schwindel. AMS liegt vor, wenn nach mindestens sechs Stunden in der Höhe der Kopfschmerz mindestens einen Punkt und die Summe mindestens drei Punkte ergibt; ein starker Kopfschmerz allein reicht. Gedacht ist der Score für die Forschung, nicht zur Selbstdiagnose. Er hilft aber, Ihrer Reiseleitung genau zu sagen, wie es Ihnen geht.

Warnzeichen für einen Notfall

Höhenhirnödem (HACE): Verwirrtheit, Schläfrigkeit, unsicherer Gang; laut Auswärtigem Amt können Betroffene nicht mehr sicher geradeaus gehen. Es beginnt meist 24 bis 72 Stunden nach dem Aufstieg, ein Koma kann laut CDC binnen 24 Stunden folgen.
Höhenlungenödem (HAPE): Atemnot schon bei leichter Anstrengung, Husten, Leistungseinbruch, später Atemnot in Ruhe, rasselnde Atmung und blutig gefärbter Auswurf. Laut WMS tritt es meist 1 bis 5 Tage nach der Ankunft auf.
Bei diesen Zeichen: sofort absteigen und ärztliche Hilfe holen.

Was tun Sie, wenn Beschwerden beginnen – Stunde für Stunde?

CDC, Auswärtiges Amt und TravelHealthPro nennen dieselbe Grundregel: Mit Beschwerden schlafen Sie nicht höher.

WannWas Sie tun
Beim ersten KopfschmerzAnstrengung beenden, ausruhen, die Reiseleitung informieren, nicht allein bleiben. Schmerzmittel lindern laut WMS nur den Kopfschmerz, nicht die Höhenkrankheit; welches Mittel passt, klären Sie vorher ärztlich.
Die nächsten StundenAuf derselben Höhe bleiben, kein Alkohol, ausreichend trinken. Überspielen Sie Warnzeichen nicht mit Medikamenten oder Willenskraft (Auswärtiges Amt).
Die NachtAuf gleicher Höhe übernachten. Erst weiter aufsteigen, wenn die Beschwerden abgeklungen sind.
Am nächsten MorgenBeschwerden weg: weiter wie geplant. Sonst nicht höher; bessert sich nichts trotz Pause oder Übernachtung, rät das Auswärtige Amt zum Abstieg unter 2.000 m.
Wenn es schlechter wirdAbsteigen. Laut CDC bessert sich die AMS rasch nach 300 m Abstieg oder mehr.
Verwirrtheit, unsicherer Gang, Atemnot in RuheSofort tiefer fahren oder tragen lassen, Sauerstoff, wenn vorhanden, ärztliche Hilfe. Die Polizei erreichen Sie laut Auswärtigem Amt rund um die Uhr unter 911, auf Spanisch.

Was „tiefer“ in Ecuador heißt

Von den Unterkünften am Cotopaxi (rund 3.600 bis 3.800 m) bis Quito sind es 750 bis 950 Höhenmeter abwärts; unter 2.000 m liegt etwa Baños (1.800 m). Laut Auswärtigem Amt ist die Versorgung auf dem Land deutlich schlechter als in den großen Städten, und Behandlungen werden meist sofort bar oder per Kreditkarte bezahlt; siehe Reiseversicherung für Ecuador & Galápagos.

Wer sollte vor der Reise ärztlich klären, ob die Höhe passt?

Alle mit einer Erkrankung von Herz, Lunge oder Kreislauf, Schwangere, Menschen mit Schlafapnoe und alle, die schon einmal höhenkrank waren. Die CDC unterscheidet drei Stufen:

EinstufungBeispiele laut CDC Yellow Book 2026
Wahrscheinlich kein zusätzliches Risikogut eingestelltes Asthma, leichte COPD, Diabetes, eingestellter Bluthochdruck, leichte bis mittlere Schlafapnoe, koronare Herzkrankheit nach Stent oder Bypass
Vorsicht gebotenstabile Angina pectoris, koronare Herzkrankheit ohne Stent oder Bypass, mittelschwere COPD, ausgeglichene Herzschwäche, schwere Schlafapnoe
Gegenanzeigeinstabile Angina pectoris, schwere COPD, nicht ausgeglichene Herzschwäche, Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten 90 Tagen, Sichelzellanämie, Risikoschwangerschaft

Wie es bei Ihnen aussieht, beurteilt eine Ärztin oder ein Arzt mit Erfahrung in Höhenmedizin.

Schwangerschaft, Schlafapnoe, frühere Höhenkrankheit

Schwangerschaft: Die CDC rät, eine gute Gesundheit und eine Schwangerschaft ohne erhöhtes Risiko vorher bestätigen zu lassen und nicht über 3.050 m zu schlafen; die Hacienda am Cotopaxi liegt auf rund 3.600 m.
Schwere Schlafapnoe: laut CDC nur mit zusätzlichem Sauerstoff neben dem CPAP-Gerät.
Frühere Höhenkrankheit: Ihre frühere Reaktion ist laut CDC der verlässlichste Hinweis, wenn Höhe und Tempo ähnlich waren. Wer schon ein Hirn- oder Lungenödem hatte, zählt laut WMS zum hohen Risiko.

Medikamente nur nach ärztlicher Beratung

Die Mittel gegen Höhenkrankheit sind verschreibungspflichtig. Acetazolamid wird dafür laut Auswärtigem Amt „off label“ eingesetzt, also außerhalb der Zulassung, und ist bei Sulfonamid-Allergie tabu; TravelHealthPro nennt auch die Schwangerschaft als Gegenanzeige. Es ersetzt den langsamen Aufstieg nicht. Dosierungen nennen wir bewusst nicht. Nehmen Sie Ihre regelmäßigen Medikamente mit und lassen Sie sich deren Notwendigkeit auf Englisch bescheinigen.

Schützen Fitness, Jugend oder Coca-Tee vor der Höhenkrankheit?

Nein. Was die Quellen zu drei verbreiteten Annahmen und zum Coca-Tee sagen:

„Wer fit ist, verträgt die Höhe.“ Training und Fitness ändern das Risiko laut CDC nicht.
„Mit über 60 ist es gefährlicher.“ Menschen über 50 haben laut CDC ein etwas geringeres Risiko. Das Auswärtige Amt betont: „Betroffen sind alle Altersstufen“. Mehr in Ecuador & Galápagos ab 50.
„Viel trinken verhindert Soroche.“ Ausreichend trinken ja; das Auswärtige Amt rät zu etwa einem Liter mehr je 1.000 Höhenmeter. Erzwungenes Viel-Trinken zählt die WMS-Leitlinie (Fassung 2019) aber zu den Maßnahmen ohne belegten Nutzen.

Coca-Tee: vor Ort ja, als Mitbringsel nein

In einer Studie mit 142 Sprachschülern in Cusco (3.350 m), 2022 im Journal of Travel Medicine erschienen, senkte Coca-Tee das Risiko nicht, Acetazolamid dagegen schon. Zudem fiel 2006 in einem Versuch der Urintest auf Kokain bei allen fünf Teetrinkern nach zwei Stunden positiv aus, bei dreien noch nach 36 Stunden.
In Deutschland steht der Kokastrauch samt Pflanzenteilen in Anlage II des Betäubungsmittelgesetzes, die unerlaubte Einfuhr ist strafbar (§ 29 BtMG); Österreich führt Cocablätter in der Suchtgiftverordnung. Für die Schweiz fragen Sie beim Zoll nach. Nehmen Sie weder Blätter noch Teebeutel mit nach Hause.

Wie bereiten Sie sich Schritt für Schritt auf die Höhe vor?

Ihre Höhen-Checkliste

1. Ärztlich beraten lassen: Besprechen Sie Vorerkrankungen, Schwangerschaft, frühere Höhenkrankheit und mögliche Medikamente rechtzeitig mit einer Ärztin oder einem Arzt mit Erfahrung in Höhenmedizin.
2. Schlafhöhen der Route prüfen: Lassen Sie sich die Schlafhöhe jeder Nacht nennen; die erste Nacht liegt am besten unter 2.750 m.
3. Die ersten 48 Stunden ruhig angehen: Verzichten Sie nach der Ankunft auf Alkohol und bewegen Sie sich nur leicht.
4. Langsam höher schlafen: Steigern Sie die Schlafhöhe oberhalb von 3.000 m um höchstens 500 m pro Nacht (Auswärtiges Amt: 300 m) und planen Sie je 1.000 m eine zusätzliche Nacht ein.
5. Hoch steigen, tief schlafen: Besuchen Sie Seilbahn, Kraterränder und Schutzhütten tagsüber und übernachten Sie tiefer.
6. Beschwerden ernst nehmen: Schlafen Sie mit Beschwerden nicht höher; wird es schlechter, steigen Sie mindestens 300 m ab, bei Verwirrtheit oder Atemnot in Ruhe sofort.
7. Versicherung prüfen: Schließen Sie eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rücktransport ab und geben Sie die höchste Höhe Ihrer Reise an.

Impfungen und Reiseapotheke erklärt Einreise, Impfungen & Gesundheit, die Vulkane der Route Die Straße der Vulkane. Alle Termine stehen unter Gruppenreisen Ecuador & Galápagos, alle Routenvorschläge unter Rundreisen.

Bitte beachten

Dieser Beitrag bietet allgemeine Reiseinformationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Lassen Sie sich vor einer Reise in große Höhen reisemedizinisch beraten, besonders bei Vorerkrankungen.

Woher stammen diese Angaben?

Die wichtigsten Quellen dieses Beitrags, abgerufen im Oktober 2026:
Auswärtiges Amt: Ecuador – Reise- und Sicherheitshinweise – Soroche, Abstieg unter 2.000 m, Versorgung
Auswärtiges Amt: Merkblatt Höhenkrankheit – 300-m-Regel, Trinkmenge, Acetazolamid
CDC Yellow Book: High-Altitude Travel and Altitude Illness – Häufigkeit, Regeln, Risikogruppen
TravelHealthPro (UKHSA): Altitude illness – Risikostufen der WMS, Warnzeichen
CRM Centrum für Reisemedizin: Pressemitteilung Höhenkrankheit (2025) – HACE und HAPE, Akklimatisierung
Omidi et al. 2025, Int J Environ Res Public Health – Zusammenfassung der WMS-Leitlinie 2024
Roach et al. 2018, High Alt Med Biol: Lake Louise Score – Punktesystem für die AMS
Caravedo et al. 2022, Journal of Travel Medicine – Coca-Tee senkt das Risiko nicht
Mazor et al. 2006, Eur J Emerg Med – Coca-Tee im Kokain-Urintest
Gesetze im Internet: BtMG Anlage II – Kokastrauch als Betäubungsmittel
RIS Österreich: BGBl. II Nr. 173/2009 – Cocablätter in der Suchtgiftverordnung
Instituto Geofísico (IG-EPN): Volcán Cotopaxi – Höhe und Lage des Cotopaxi

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