Die Straße der Vulkane: Cotopaxi, Quilotoa und Chimborazo

Humboldt Adventure · Zuletzt aktualisiert am 17.10.2026 · Lesedauer ca. 10 Minuten

Was ist die Straße der Vulkane, und lohnt sie sich ohne Gipfelpläne?

Die Straße der Vulkane ist das Hochtal südlich von Quito, durch das die Panamericana nach Riobamba führt, laut Wikivoyage rund 211 Kilometer. Links und rechts stehen die großen Vulkane Ecuadors, darunter der Cotopaxi (5.897 m) und der Chimborazo (6.263 m). Bergerfahrung brauchen Sie nicht: Lagunen, Kraterseen und Schutzhütten erreichen Sie mit Fahrzeug und kurzen Wegen, allerdings zwischen 3.500 und 5.000 Metern. Planen Sie drei bis vier Tage ein.

Warum hier so viele Vulkane stehen

Die Nazca-Platte des Pazifiks taucht unter die Südamerikanische Platte ab; daraus entsteht der Vulkangürtel der Anden. In Ecuador stehen die Vulkane in zwei Ketten, der West- und der Ostkordillere (Cordillera Occidental und Cordillera Real), mit dem Hochtal dazwischen. Die englischsprachige Wikipedia zählt 55 Vulkane auf dem Festland; eine amtliche Gesamtzahl haben wir nicht gefunden.

Stammt der Name von Alexander von Humboldt?

Belegt ist ein anderer Ausdruck

Der Name wird gern Humboldt zugeschrieben, einen Beleg dafür gibt es nicht. In seinem „Kosmos“ (Band IV, 1858) spricht Humboldt von den „Reihen-Vulkanen von Quito“, deren Südende der Sangay bildet. Das Bild einer „Riesenallee schneebedeckter, oft rauchender Berggipfel“ beschrieb im 19. Jahrhundert Hermann Karsten; englisch „avenue of volcanoes“ steht spätestens 1901 in einem in London erschienenen Handbuch über Südamerika.

Der Geograph Hans Meyer zitierte 1907 beide Wendungen und hielt sie für falsch: Ecuador habe zwei Kordilleren mit weiten Lücken, keine durchgehende Allee.

Was Humboldt 1802 hier tat

Humboldt und Aimé Bonpland erreichten Quito am 6. Januar 1802. Im selben Jahr versuchte Humboldt den Antisana und am 23. Juni 1802 den Chimborazo, vom Dorf Calpi aus und mit Carlos Montúfar. Den Gipfel erreichten sie nicht. Humboldt berechnete den Umkehrpunkt auf 5.881 Meter und galt damit jahrzehntelang als der Mensch, der am höchsten gestiegen war; Hans Meyer hielt das Barometer für fehlerhaft und schätzte rund 5.350 Meter. Bestiegen wurde der Chimborazo erst am 4. Januar 1880, von Edward Whymper mit Jean-Antoine und Louis Carrel.

Sein „Naturgemälde der Anden“ von 1807 zeigt den Chimborazo mit seinen Pflanzen nach Höhenstufen; die Daten stammen laut einer Studie in PNAS (2019) großenteils vom Antisana.

Wie aktiv sind die Vulkane heute?

Laut Auswärtigem Amt sind derzeit Sangay und Reventador aktiv, Cotopaxi und Tungurahua stehen „unter intensiver Beobachtung“ (Stand 17. Oktober 2026). Chimborazo und Quilotoa gelten als potenziell aktiv, sie sind seit Jahrhunderten ruhig.

VulkanHöheLetzte EruptionLage (Stand 17.10.2026)
Cotopaxi5.897 mOktober 2022 bis Juli 2023aktiv, derzeit Fumarolen; Warnstufe Weiß seit 26.10.2023; AA: intensive Beobachtung
Tungurahua (bei Baños)5.020 mFebruar 2016, Ende einer Phase seit 1999aktiv; AA: intensive Beobachtung
Sangay5.230 min Eruption seit 1628, deutlich stärker seit 2019Warnstufe Gelb seit 16.06.2020; Asche über der Provinz Chimborazo
Reventador3.560 min Eruption seit 2002Warnstufe Orange seit 27.03.2014; Zugang laut FCDO eingeschränkt
Guagua Pichincha (bei Quito)4.776 m1999 bis 2001mehr Schwefeldioxid seit September 2024, Kraterzugang eingeschränkt
Chimborazo6.263 m5. bis 7. Jahrhundertpotenziell aktiv
Quilotoa3.914 mvor rund 800 Jahren, oft auf 1280 datiertpotenziell aktiv

Quellen: Steckbriefe des Instituto Geofísico (IGEPN), Warnstufen der Katastrophenschutzbehörde SNGR.

Was das für Ihre Reise heißt

Die größte Gefahr am Cotopaxi sind Lahare, Ströme aus Wasser, Schlamm und Geröll von den vergletscherten Hängen. Ausbrüche zerstörten Latacunga 1744 und 1768, Lahare 1877 erneut; laut IGEPN leben heute mehr als 300.000 Menschen in gefährdeten Zonen. Das britische Außenministerium nennt Latacunga, Salcedo und die Täler östlich von Quito (Los Chillos, Rumiñahui) als besonders gefährdet. Ascheregen kann die Flughäfen Quito und Guayaquil kurzfristig schließen. Maßgeblich ist der Stand am Reisetag; die Warnstufen veröffentlicht das IGEPN.

Was erleben Sie im Cotopaxi-Nationalpark ohne Gipfelbesteigung?

Ein Kegel auf 5.897 Metern, 45 Kilometer von Quito

Der Nationalpark Cotopaxi besteht seit 1975 und liegt im Páramo, dem Hochgrasland der Anden. Der Vulkan steht laut IGEPN 45 Kilometer südöstlich von Quito und 35 Kilometer nordöstlich von Latacunga. Im Norden und Osten leben Herden wilder Pferde; mit Glück sehen Sie einen Andenkondor.

Ohne Gipfelpläne bleiben zwei Ziele: die Laguna Limpiopungo auf rund 3.850 Metern mit einem flachen Rundweg von ein bis zwei Stunden, und die Schutzhütte Refugio José F. Ribas auf 4.864 Metern. Vom Parkplatz auf rund 4.500 bis 4.600 Metern steigen Sie laut Wikivoyage 45 bis 60 Minuten zur Hütte. Den Gipfel dürfen seit November 2023 wieder Seilschaften versuchen, laut britischem Außenministerium nur nach den Regeln des Parks; vergletscherte Gipfel sind in Ecuador nur mit einem offiziell akkreditierten Bergführer erlaubt.
Holzsteg im Páramo mit Blick auf den schneebedeckten Cotopaxi

„Einer der gefährlichsten Vulkane der Welt“

So nennt ihn das IGEPN. Seit der spanischen Eroberung zählt es fünf große Ausbruchsphasen: 1532–1534, 1742–1744, 1766–1768, 1853–1854 und 1877–1880. Seitdem brach er 2015/2016 und 2022/2023 aus.

Wie anstrengend ist der Kratersee Quilotoa?

Ein See in der Caldera

Der Quilotoa liegt 83 Kilometer südwestlich von Quito im Schutzgebiet Los Ilinizas. Sein Kraterrand erreicht 3.914 Meter, der See darin liegt auf rund 3.500 Metern, ist etwa 250 Meter tief und hat eine Fläche von 3 Quadratkilometern. Beim letzten Ausbruch vor rund 800 Jahren begrub Asche die vorkolumbischen Felder der Region.

Der Weg vom Dorf hinunter zum Wasser dauert 30 bis 45 Minuten, der Rückweg 1 bis 2 Stunden. Anstrengend ist der Rückweg auf fast 3.900 Meter; für ihn können Sie ein Pferd oder Maultier mieten. Wer mehr Zeit hat, geht den Rundweg auf dem Kraterrand: rund 10 bis 11 Kilometer, je nach Tempo 4 bis 6 Stunden.

Hangrutsch im März 2026

Am 12. März 2026 rutschten nach Starkregen rund 20.000 Kubikmeter Material von der inneren Kraterwand in den See. Die Welle erreichte nach 7 bis 10 Minuten den Bootssteg und war bis zu 0,5 Meter hoch. Laut IGEPN war die Ursache nicht vulkanisch. Ob der Weg zum See und der Bootsbetrieb am Tag Ihres Besuchs offen sind, erfahren Sie erst vor Ort.

Wie nah kommen Sie am Chimborazo an den Gipfel?

Am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt

Der Chimborazo ist mit 6.263 Metern der höchste Berg Ecuadors. Sein Gipfel gilt als der Punkt der Erdoberfläche, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist: Wegen der Wölbung der Erde am Äquator liegt er rund 6.384 Kilometer vom Erdzentrum entfernt, laut der US-Behörde NOAA mehr als 2.072 Meter weiter als der Gipfel des Mount Everest. Über dem Meeresspiegel ist der Everest deutlich höher.

Bis 5.000 Meter mit Fahrzeug und kurzem Weg

Die Straße zwischen Riobamba und Guaranda führt am Eingang des Schutzgebiets auf rund 4.300 Metern vorbei. Zwischen Tor und erster Hütte sehen Sie wahrscheinlich Vikunjas; sie wurden ab 1988 aus Chile, Peru und Bolivien wieder angesiedelt. Vom Parkplatz an der Carrel-Hütte (rund 4.800 bis 4.850 m) gehen Sie etwa 50 Minuten zur Whymper-Hütte auf 5.000 Metern, in weiteren 20 Minuten zur kleinen Laguna Cóndor Cocha. Höher geht es nur mit Bergführer.

Zum Zugang widersprechen sich die Angaben: Wikivoyage meldet im August 2026 freien Eintritt mit Registrierung am Tor. Laut britischem Außenministerium (Stand 2. Oktober 2026) ist ein Besuch fünf Tage vorher bei der Reservatsverwaltung anzumelden; seit einer Lawine 2021 ist das Reservat demnach nur für Reiseveranstalter und anerkannte Bergsteigerclubs offen.

Welche Vulkane sehen Sie außerdem?

Cayambe (5.790 m), 60 Kilometer nordöstlich von Quito: Der Äquator quert seine Südflanke auf rund 4.690 Metern; das gilt als einzige Stelle des Äquators mit Schnee.
Antisana (5.758 m), vergletschert; Humboldt versuchte ihn 1802, Whymper bestieg ihn 1881.
Tungurahua (5.020 m) über Baños; wie Sie ihn von dort erleben, steht in Baños: Reisetipps.
Pichincha über Quito: Die Seilbahn fährt auf 3.947 Meter; mehr in Quito entdecken.

Wie viele Tage brauchen Sie für die Straße der Vulkane?

Für Cotopaxi, Quilotoa und Chimborazo brauchen Sie mindestens drei Tage, dazu einen Tag für die Weiterfahrt nach Süden. Ein Tagesausflug ab Quito reicht nur für den Cotopaxi.

ZeitWas hineinpasstSo in unseren Reisen
2 TageCotopaxi: Limpiopungo, auf Wunsch die Hütte, eine Nacht am Park, zurück nach QuitoEcuador & Galápagos 17 Tage Gruppenreise, Rundreise 2 Wochen
4 TageCotopaxi, Quilotoa, Chimborazo, dann über Alausí und Ingapirca nach CuencaStraße der Vulkane & Galápagos Rundreise (Tag 4–7), 3 Wochen Gruppenreise inkl. Galápagos (Tag 9–13)
6 Tage und mehrZusätzlich Baños, der Rundweg am Quilotoa oder mehrtägige Wanderungen bis zum Gipfelversuch am CotopaxiEcuador Wanderreise – Anden & Gipfel

Samstags lässt sich der Quilotoa-Tag mit dem Markt von Zumbahua verbinden. Alle Reisen mit dem Hochland finden Sie unter Rundreisen und Gruppenreisen.

Was wird an der Straße der Vulkane oft falsch eingeschätzt?

Vier verbreitete Irrtümer

Die Hüttenwege: Zur Cotopaxi-Hütte sind es nur rund 300 Höhenmeter, aber auf fast 4.900 Metern. Sie gehen dort deutlich langsamer als zu Hause. Auf den meisten unserer Reisen ist der Aufstieg freiwillig; wer verzichtet, wandert am Limpiopungo.
Der Blick auf die Gipfel: Auch in der trockensten Zeit sind sie nicht ständig frei. Quito hat im Juli rund 220 Sonnenstunden, im Mittel gut sieben am Tag; rechnen Sie also auch dann mit Wolken am Gipfel.
Die Akklimatisierung in Quito: Quito liegt auf rund 2.850 Metern, der Quilotoa rund 1.000 Meter höher, die Hütten rund 2.000 Meter. Die Tage in Quito allein reichen dafür nicht; entscheidend ist, dass die Höhe Tag für Tag nur langsam steigt.
„Höchster aktiver Vulkan der Erde“: Das liest man oft über den Cotopaxi, es stimmt nicht. Er gehört zu den höchsten aktiven Vulkanen.

Wann ist die beste Reisezeit für die Vulkane?

Am verlässlichsten sind Juni bis September. Die Klimanormalwerte der WMO für Quito zeigen den Unterschied: Im Juli fallen 22 Millimeter Regen, im August 32, im April dagegen 168. Dezember und Januar sind mit 94 und 81 Millimetern ein zweites, weniger sicheres Fenster; ab Februar wird es wieder nasser.

Am 29. August 2026 hat Ecuadors Katastrophenschutzbehörde wegen El Niño landesweit Alarmstufe Rot ausgerufen. Das Auswärtige Amt warnt in der Regenzeit vor Steinschlag und Erdrutschen in den Bergen. Planen Sie für 2026/2027 Reservezeit ein. Alle Regionen im Vergleich finden Sie im Reisekalender für Ecuador & Galápagos.

Wo übernachten Sie an der Straße der Vulkane?

Haciendas mit Geschichte

San Agustín de Callo, etwa eine Stunde von Quito: Hier stand im 15. Jahrhundert eine Inka-Anlage, später ein Augustinerkloster. In zwei Räumen sind Inka-Mauern aus behauenem Vulkangestein erhalten; die französische Geodätische Mission nutzte das Haus als Station. Auf einigen unserer Reisen ist der Besuch optional, der Eintritt kommt hinzu.
Hacienda La Ciénega: nach eigenen Angaben seit 1695, mit Blick auf den Cotopaxi; je nach Reise halten wir dort zum Kaffee oder übernachten. Dass Humboldt hier wohnte, wie manche Texte erzählen, steht auf der Website der Hacienda nicht.

Achten Sie auf die Schlafhöhe: Die Hostería Los Mortiños am Cotopaxi liegt auf rund 3.600 Metern, Tambopaxi auf 3.720 und die Chimborazo Lodge auf rund 4.000 Metern.

Wie gehen Sie mit Höhe und Sicherheit um?

Höhenkrankheit

Das Auswärtige Amt warnt vor Höhenkrankheit ab 2.500 Metern; sie zeigt sich meist erst nach 24 Stunden oder länger. Verschwinden Kopfschmerz, Schwindel oder Atemnot nicht nach einer Pause oder einer Nacht, sollten Sie unter 2.000 Meter absteigen. Die Medikamente dagegen sind verschreibungspflichtig. Wie Sie vorbeugen, steht in Höhenkrankheit in Ecuador vermeiden.

Sicherheit unterwegs

In den Provinzen Cotopaxi, Tungurahua, Chimborazo, Bolívar und Pichincha gilt laut Auswärtigem Amt der Ausnahmezustand (Stand 17. Oktober 2026); von Reisen ins Hochland rät es nicht ab. Bergtouren sollten Sie laut Amt nur mit ortskundigen Führern unternehmen. Fahren Sie die Strecken bei Tageslicht. Mehr in Sicherheit in Ecuador.

Woher stammen diese Angaben?

Die wichtigsten Quellen dieses Beitrags, abgerufen im Oktober 2026:
Instituto Geofísico (IGEPN): Cotopaxi – Höhe, Lage, Ausbruchsphasen, Lahar-Zonen
IGEPN: Informe volcánico especial Quilotoa 2026-001 – Kratersee und Erdrutsch vom März 2026
Katastrophenschutzbehörde SNGR: Niveles de alertas y declaratorias vigentes – Warnstufen der Vulkane, El-Niño-Alarm
Auswärtiges Amt: Ecuador – Reise- und Sicherheitshinweise – Vulkanlage, Höhenkrankheit, Ausnahmezustand
Britisches Außenministerium (FCDO): Ecuador – Safety and security – Lahare, Bergführerpflicht, Chimborazo-Zugang
NOAA Ocean Service: What is the highest point on Earth? – Chimborazo am weitesten vom Erdmittelpunkt
Moret u. a., PNAS 2019: Humboldt’s Tableau Physique revisited – Naturgemälde mit Daten vom Antisana
Alexander von Humboldt: Kosmos, Band IV (1858) – „Reihen-Vulkane von Quito“
Hans Meyer: In den Hoch-Anden von Ecuador (1907) – Herkunft und Kritik der „Allee“

Weiterführende Infos & nützliche Artikel

Der Vulkan Cotopaxi (5.897 m) – Höhenlagen prägen viele Reiseziele in Ecuador
Der Vulkan Tungurahua über Baños de Agua Santa
Die Basílica del Voto Nacional in der Altstadt von Quito am Abend

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