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Joachim und Heidrun aus Zarrentin, Mecklenburg

08.11.2024

Reisebericht Ecuador vom 8. November bis zum 4. Dezember 2024 von Heidrun und Joachim Reimers aus Zarrentin, Mecklenburg


Einleitend möchte Heidrun zur Frage „Ist Ecuador ein geeignetes Reiseziel für Senioren?“ schreiben: Als Joachim mir vorschlug, dass wir nach Ecuador reisen könnten – Er hatte gerade Bücher über Alexander von Humboldts Reise nach Südamerika gelesen und sich dafür begeistert - , da war ich etwas entsetzt. Wir sind beide weit über 70 Jahre alt, wohnen im flachen Norddeutschland, hatten keine Spanischkenntnisse. Unsere Fitness reichte für Spaziergänge an der Elbe. Und das Klima im Regenwald! Hatten wir nicht schon eine Reise in die Tropen gemacht und danach beschlossen, dass das kein geeignetes Klima für uns beide gewesen war? Lange Autofahrten im Hochgebirge - viel zu gefährlich! Und wo würde man in dem Land ein Klo finden, wenn man herumreist? Aber weil mein Liebster nicht nachließ, musste ich nachgeben: „Aber dann muss ich Spanisch lernen!“

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Danach fingen wir an, gemeinsam über diese Reise nachzudenken und sie zu planen. Joachim fand im Netz die Firma Humboldt Adventure, und das war gut für uns, weil wir Andreas Gonzalez alles fragen konnten und er für unsere deutsche Sichtweise Verständnis hat. Joachim arbeitete sich durch 2 Reiseführer hindurch, recherchierte viel im Internet und plante die Reise akribisch. Ich lernte bei Duolingo ein bisschen Spanisch, wir schwammen im See, so oft wir konnten und Joachim ging regelmäßig ins Fitness-Studio. Wir überlegten gemeinsam, welche Ziele wir ansteuern wollten, was wir dort unternehmen konnten und wie lange wir an jedem Ort bleiben wollten. Joachim wollte richtigen Urwald im Amazonasbecken kennenlernen. Die „Straße der Vulkane“ wollten wir unbedingt besuchen und so nahe wie möglich an den Cotopaxi und den Chimborazo herankommen. Aber wir mussten erkennen, dass eine langsame Gewöhnung an die Höhe bis schließlich über 4000 m nötig ist, und dafür braucht der Körper einen Aufenthalt von mindestens 2 Wochen. So erweiterten und änderten wir den Reisevorschlag „Highlights und Geheimtipps“ und planten an vielen Stationen zwei oder drei Tage ein. Außerdem buchten wir für 12 Tage einen Fahrer, der Englisch spricht.

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Nun zu einzelnen, längs nicht allen Stationen unserer Reise: Um uns an das fremde Land zu gewöhnen, haben wir als ersten Ort Mindo (im Bergnebelwald westlich von Quito auf etwa 1200 m Höhe gelegen) ausgesucht, wo wir vier Nächte im kleinen, sehr persönlichen Hotel von Margarita wohnten. Mindo liegt mitten im Grün, die Wälder und Berge der Umgebung sind eine Augenweide. So haben wir uns von der etwas altersschwachen Korbseilbahn über ein tiefes Tal in ein Wandergebiet mit zahlreichen Wasserfällen übersetzen lassen. Auch eine Vogelbeobachtungstour haben wir in aller Frühe unternommen (mit dem National Guide David Lara, ein Spezialist für Vögel) – der Höhepunkt der Vogelsuche war schließlich ein Tucan, der aus seiner Nisthöhle schaute. – prachtvoll.

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Am Flughafen von Coca holte uns Andreas Gonzalez ab und zeigte uns die Stadt. Er ging mit uns ins MACCO, ein archäologisches Museum zu indigenen Stämmen im Amazonasgebiet. Er führte uns in eine Markthalle, wo er uns anbot, Mayones zu essen, das sind geröstete Maden. Wir wurden für unseren Mut belohnt, denn sie waren erstaunlich lecker. Weiter ging es zur tropischen Lagune Limoncocha, wo wir eine Bootsfahrt machten und Brüllaffen, Kaimane und und bei Dunkelheit Glühwürmchen sahen.

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Den Amazonas-Urwald haben wir an vier Tagen von der Bamboo Lodge im Cuyabeno-Reservat aus erkundet, natürlich zu Fuß oder im Kanu, Straßen gibt es dort nicht. Als wir ankamen, bestand die dort gelegene Laguna Grande aus Pfützen und Matsch. Es hatte lange nicht geregnet, wie übrigens in ganz Ecuador, was vielerorts zur Folge hatte, dass die zahlreichen Wasserkraftwerke nicht genügend Elektrizität produzieren konnten und es auf unserer Reise oft zu Stromausfällen kam. Über Nacht geschah dann ein Wunder: es hatte in den Bergen wieder kräftig geregnet und die Laguna war am nächsten Morgen ein prächtiger See.

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Unsere zahlreichen Wanderungen und Kanutouren leitete Elvis, ein National Guide, der im Urwald aufgewachsen ist und ein kenntnisreicher Naturführer ist: besonders beeindruckt hat uns seine Fähigkeit, irgendwo im Gebüsch oder auf einem Baum Tiere, seien sie auch noch so klein, zu entdecken. Wir empfanden uns als blind. Die Kanutouren waren für mich (Joachim) deshalb so eindrucksvoll, weil die Flüsse sich durch den Urwald schlängeln und links und rechts von hohen grünen Wände umgeben sind, von Büschen und Bäumen mit ihren unterschiedlichen Formen und Blättern in den verschiedensten Grüntönen – umwerfend!

Wir hatten auch das Vergnügen, bei der Jatary-Familie von Elena und Patricio wohnen zu dürfen und mit ihnen am Küchentisch gemeinsam essen zu können. Dabei versuchte Patricio uns die Kultur seines Stammes zu erklären, was Heidruns Spanischkenntnisse arg herausforderte. Aber Patricio ist ein geduldiger Lehrer, sodass wir viel mitbekamen. Am nächsten Morgen führte Patricio mit uns eine rituelle Begrüßungszeremonie durch. Er hielt eine freundliche Rede in Kichwa und dann mussten wir auch für Patricio und Elena eine kurze Rede halten. Dabei hatten wir Blütenblätter aus dem Garten auf dem Kopf.

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In Quito wohnten wir im Hotel Vista del Angel, einem alten Kolonialhaus. Wir hatten ein Eckzimmer mit herrlichem Blick über Quito. Den stärksten Eindruck hinterließ bei uns der Guayasamin- Museumskomplex, in erster Linie die Kapelle des Menschen, Capilla del Hombre. Von seinen beiden Zyklen „Weg der Tränen“ und „Zeit des Zorns“ hängen dort viele Gemälde – sie waren in ihrer Eindringlichkeit und Klarheit für uns ein Schock. Wie z.B. sein Gemälde „Lidice“, in dem Guayasamin Heydrichs Rache an der tschechische Zivilbevölkerung thematisiert. Uns erinnerte es an Picassos „Guernica“. Erholsam war danach der Besuch in seinem Wohnhaus, einer mondänen Villa, die deutlich macht, dass Guayasamin von früh an ein erfolgreicher und bald auch ein wohlhabender Künstler war. Es zeigten sich die beiden Seiten dieses Mannes: Mitgefühl für das Leiden von Menschen empfinden, aber auch sein Leben genießen.

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Auf der Panamericana passierten wir ab Quito einen Vulkan nach dem anderen, einer höher als der andere. Schließlich erreichten wir den Nationalpark und seinen Namensgeber, den Cotopaxi, der sich uns leider, meist in Wolken gehüllt, nicht zeigte. In der Hacienda Los Mortinos hatten wir ein Zimmer mit Cotopaxi- Blick. Und am frühen Morgen zwischen 6:00 Uhr und 6:15 Uhr konnten wir ihn tatsächlich vom Bett aus in aller Schönheit bewundern – endlich am Ziel! Den Nationalpark wie z B. am Fluss Manantialas hatten wir fast allein für uns, selbst auf dem Rundweg um die Laguna Limpiopungo gingen kaum weitere Menschen, selbst an dem Sonntag nicht. Der Paramo ist eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, sehr unterschiedlich je nach Höhenlage, hier kann man ihn ausführlich sehen.

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Joachim fielen während der Fahrt die vielen Treibhäuser für die Rosenzucht auf und er wollte unbedingt ein Foto davon machen. Die Objekte ließen sich aber gar nicht so leicht fotografieren, um ein zufrieden stellendes Bild zu ergeben. Da kam unser Fahrer/Guide Saul auf die Idee, in seinem Dorf, wo es eine neue kleine Rosenfarm gibt nachzufragen, ob wir sie besichtigen könnten. Es klappte: wir waren die ersten Besucher dieser Farm. Sie versendet jeden Tag 1300 Rosen, wow, so viele! Wie viele Rosen wohl erst die großen Farmen schneiden? Da wir schon in seinem Dorf waren, hat uns Saul anschließend in sein Haus eingeladen und uns seine Pension gezeigt. Überhaupt war unser Fahrer/Guide Saul ein Schatz. Er hat uns von Cosanga bis Guayaquil gefahren, 12 Tage lang. Er war immer freundlich, hilfsbereit, offen und zuverlässig. Sein Fahrstil war angenehm zurückhaltend (anders als im Land üblich, wo wir viele gewagte Überholmanöver gesehen haben). Er spricht gut und flüssig Englisch. Er hat bei vielen Sehenswürdigkeiten die Führung übernommen und uns informiert, ohne uns zu überfordern. Er hat uns auch viel und offen von seinem Leben, seinen Erfahrungen und Wünschen erzählt, wodurch wir einen kleinen Einblick ins Leben eines Ecuadorianers bekamen.

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In Tigua haben wir zwei schöne Bekanntschaften gemacht: Zuerst waren wir im Dorf in eine Galerie gegangen, wo wir das Glück hatten, den Urheber der Tigua-Malerei, Julio Toaquiza persönlich zu treffen. Wir schauten uns viele seiner Gemälde an, ließen uns einige ihrer Inhalte erklären und kauften schließlich eins, das uns besonders interessant schien. Übernachtet haben wir in der Posada de Tigua, wo wir Felipe, den Hausherrn und Bauern kennenlernten. Er erzählte uns mit Inbrunst von seiner Art der Farmarbeit, die von den Kriterien Ökologie und Nachhaltigkeit ausgeht.

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Jeden Donnerstag findet in Guamote Markt statt. Der Markt verteilt sich auf viele betonierte Flächen, auf denen getrennt voneinander Schafe, Rinder, Ziegen, Schweine oder Kleintiere angeboten werden. Eine Kuh kostet z.B. 1500 $ - nicht wenig finden wir. In einer großen Halle wird Obst und Gemüse angeboten. Der Platz reicht aber nicht, denn die Straßen der Innenstadt sind voll von weiteren Ständen, sodass wir den Eindruck hatten, hier kann man alles kaufen, von der Nähnadel über den Kühlschrank bis zum Laptop. Es ist ein riesiges Menschengedränge: sie kommen aus der kleinen Stadt und den zahlreichen Dörfern der Umgebung, um zu handeln, einzukaufen und sicher auch die neuesten Nachrichten auszutauschen. Es sind dort kaum Touristen, nur Einheimische, viele Indigene in ihren vielfältigen Trachten.

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In Guamote wohnten wir im Inti Sisa Art Guesthouse, betrieben von einer belgischen Stiftung, die sich zu Ziel gesetzt hat, Kinder und Jugendliche bei ihrem Bildungsgang zu unterstützen. Wir konnten verschiedene ihrer Projekte besichtigen, z.B. einen Schulgarten in einem Nachbarort, eine Nähstube, in der Schafwolle versponnen und verarbeitet wurde oder einen Computerraum, wo Schüler ihre Hausaufgaben erledigen konnten mit Hilfe von Freiwilligen aus Europa.

Cuenca ist die wohl schönste Stadt Ecuadors, in ihrer Innenstadt stehen beeindruckende Häuser aus der Kolonialzeit sowie der republikanischen Epoche. Eine Besonderheit sind auch Reihenhäuser und Wohnblocks aus rotem Backstein. Die Stadt macht einen gepflegten und sauberen Eindruck. Wir haben in einem vornehmen Hotel in der Innenstadt gewohnt, dem Santa Lucia. Der Innenhof ist als Restaurant eingerichtet, rundherum Gänge mit Gemälden an den Wänden und vielen Antiquitäten voll gestellt. Das Personal ist höchst aufmerksam, kundenorientiert und flexibel: Wir bekamen gleich am ersten Abend ein anderes Zimmer, weil wir den Lärm eines Generators (der auf dem Nachbargrundstück stand) nicht ertragen wollten.

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Der letzte Höhepunkt unserer Reise war die Hacienda „Cacao y Mango“, wo uns zuerst ein köstliches Mittagessen serviert wurde. Anschließend wurden wir vom Juniorchef durch die Farm geführt und uns der Weg vom Kakaobaum bis zur Schokolade ausführlich und Schritt für Schritt erklärt. Im Anschluss haben wir ihren Vorrat an Schokoladen aufgekauft, um für unsere große Familie genügend Mitbringsel zu haben.

Abschließend möchten wir sagen: Was für ein tolles Land!!! Diese unterschiedlichen Landschaften, vom feucht-heißen Urwald über die grünen Bergnebelwälder bis zu den teils schneebedeckten felsigen Andenhöhen – alles sehr eindrucksvoll. Dazu hatten wir schöne, meist kleine Unterkünften sehr unterschiedlicher Art, von freundlichen Menschen betrieben. Wir hatten das Glück, sehr viele nette Menschen kennenzulernen, sodass wir sagen können: Wir haben eine intensiven Eindruck von Land und Leuten bekommen – dafür ein überaus herzliches Dankeschön an Andreas Gonzalez und sein Team!!! Wir kehrten reich beschenkt an Eindrücken zurück nach Hause und werden noch lange brauchen, um unsere Eindrücke und Fotos zu sortieren. Und übrigens: saubere Klos mit Wasserspülung gibt es in Ecuador, sogar im Urwald.